Selbstmitgefühl – die ideale Burn-Out-Prophylaxe

Im letzten Prompt haben wir uns mit dem Thema Mitgefühl beschäftigt. Dieses Thema ist so wichtig und so vielgestaltig, dass wir es hier noch einmal aufgreifen wollen, diesmal aber mehr unter dem Gesichtspunkt von Selbstmitgefühl.

Selbstmitgefühl ist ein freundlicher, fürsorglicher und mitfühlender Umgang mit uns selbst. Das bedeutet, dass wir – z. B. wenn es uns nicht gut geht oder wenn uns etwas misslungen ist –, wie ein:e gute:r Freund:in für uns da sind, uns den Rücken stärken und zu uns etwas sagen wie: Ja, das ist jetzt unangenehm, ein schmerzhafter Moment, aber du kannst das aushalten. Steh zu dir, mach dich nicht nieder deswegen, sondern versuche erst einmal, wieder auf die Beine zu kommen und dir etwas Gutes zu tun. Denn mit der Alternative – etwa quälende Gewissensbisse, Sich-Druck-Machen oder gar Selbstbestrafung – ist meistens nicht viel gewonnen: Dir selbst geht es dadurch nicht besser, und andere haben auch nicht viel davon.

Vielleicht kommen, wenn du diese Zeilen liest, Bedenken in dir auf wie: Ist mit so einer Haltung nicht dem Sich-gehen-Lassen und der Nachlässigkeit Tür und Tor geöffnet?! Wenn ja, so könntest du dich fragen: Welches Menschenbild steht dahinter? Sehr wahrscheinlich ist es der Glaubenssatz, dass Menschen nur unter Druck bereit sind, sich zu engagieren und Leistung zu erbringen. Dieses fremdbestimmte Leistungsprinzip (das einem die Freude an der Leistung abgewöhnt) haben viele von uns schon in der Schule erfahren: Du musst etwas machen, und zwar immer dann und genau so, wie es vorgegeben wird, und alle eigenen Interessen, Fragestellungen, Begeisterungen und Ahnungen müssen dazu hintanstehen oder ganz weggemacht werden.

Dabei performen wir um so viel besser, wenn wir aus eigenem Interesse, spielerisch und mit innerem Engagement arbeiten. Und für das Lernen gilt das noch viel mehr: Ohne eigene Interessen, Vermutungen, Austesten und handfestes Herumprobieren, mit Fehlschlägen und Selbst-Dahinterkommen werden Lernerfahrungen flach und ich-fremd bleiben.

Selbstmitgefühl ist deshalb für Lehrer:innen und Schüler:innen gleichermaßen wichtig – es ist die Basis für gutes Unterrichten und gutes Lernen. Beides sind schwierige Tätigkeiten, bei denen Fehlschläge und Frust vorprogrammiert sind. Deshalb sollten wir lernen, gut mit uns in diesen Momenten umzugehen. Für Schüler:innen ist Selbstmitgefühl ein guter Weg, ihre Motivation und ihr Engagement wach zu halten, und für Lehrer:innen ist Selbstmitgefühl der Königsweg der Burn-Out-Prophylaxe, weil es ihnen hilft, beharrlich an ihren Aufgaben dranzubleiben, ohne sich selbst zu überfordern (ganz aktuell dazu dieses Buch).

Mehr dazu könnt ihr in folgenden Texten lesen, die wir euch sehr ans Herz legen möchte:

Die Texte von Spannbauer et al.: Engagement des Herzens (2017) beschreiben Mitgefühl und seine verschiedenen Facetten auf eine verständliche und zugleich kenntnisreiche Weise – sie stammen aus der Zeitschrift Welt der Frau, sind aber wissenschaftlich fundiert und meisterinnenhaft leicht geschrieben.

Der Artikel von Jörg Mangold: Achtsames Selbstmitgefühl (2016) gibt einen Überblick über das Thema aus ärztlicher Sicht (und wurde schon im Leittext zu Mitgefühl erwähnt).

Und der Text von Janusz Korczak: Wer kann Erzieher werden? (1934) ist eine winzige Lehrgeschichte über die fundamentale Bedeutung von Mitgefühl im Lehrberuf.

Was geht dir/ euch dazu so durch den Kopf?